Delegated Voting Systeme

Delegated Voting ist eine Form der gemeinsamen Entscheidungsfindung, die Bestandteile der direkten Demokratie und der repräsentativen Demokratie vereinigt. Die Nutzer können hier entweder selbst wählen oder ihre Stimme an jemanden übertragen, dem sie vertrauen, bzw. eine Wahl in ihrem Sinne zutrauen. Wichtige Tools sind Liquid Feedback und Adhocracy.

Delegated Voting bietet den NutzerInnen beide Möglichkeiten: ich wähle, wenn ich einem Vorschlag zustimme und deligiere meine Stimme, wenn ich ein Thema lieber von Experten vertreten sehen möchte.
Für verschiedene Bereiche können auch unterschiedliche Entscheidungen getroffen werden, eine Übertragung kann auch zurückgenommen werden, indem der Nutzer sich entscheidet doch selbst zu wählen oder seine Stimme an jemand anderen zu delegieren. Es beruht auf dem Konzept der Liquid Democracy.
Es gibt zwei sehr mächtige Tools, die mit ihrem großen Funktionsumfang auch komplexe Strukturen abbilden können. Das sind einerseits “Liquid Feedback” der Piratenpartei sowie “Adhocracy” des Vereins Liquid Democracy e.V.
Beide Tools sind freie Software, stehen also für jeden mit offenem Quellcode (Open Source) zur Verfügung. Das bedeutet auch, dass Organisationen oder Vereine die Software ihren eigenen Bedürfnissen voll anpassen können.

LiquidFeedback wird seit 2009 auf Anregung und im Umfeld der Piratenpartei entwickelt, da die Mitglieder mit den Möglichkeiten innerparteiliche Meinungsbildungsprozesse zu strukturieren, nicht zufrieden waren. Sie ist besonders für Anwendungsfälle mit einer großen Zahl an TeilnehmerInnen geeignet und kann auch komplexe Prozesse  abbilden. Beispiele wären Vereine, Parteien und Nichtregierungsorganisationen (NGOs).

Die einzelnen Themen bzw. Vorschläge gehen durch verschiedene Phasen, in denen die NutzerInnen unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten haben. Regelwerke, welche Funktionen in welcher From genutzt werden können, können von der anbietenden Organisation selbstständig individualisiert werden.

Adhocracy ist eine Entwicklung des Vereins Liquid Democracy e.V. Es ist in erster Linie ein Diskurs, der Meinungsbildungsprozesse in größeren Zusammenhängen wie Organisationen, Vereinen oder firmen abbildet. Adhocracy ist größtenteils durch das Nutzerverhalten gesteuert und muss nicht moderiert werden. Kernangebot ist die Diskussion komplexer Themenbereiche. Ebenso ist  Delegated Voting möglich. Adhocracy wird unter anderem von der Bundestagsfraktion der SPD, der Stadt München und der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft eingesetzt.

Der Verein Liquid Democracy e.v. sieht sein Tool Adhocracy und elektronisch gestützte Beteiligungsverfahren nicht grundsätzlich als die richtige und bessere Lösung, sondern immer in Ergänzung zu anderen Mitteln.

Die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des deutschen Bundestags hat beide Tools einem Vergleich unterzogen, um das für ihre Bedürfnisse passende auswählen zu können. Die sehr detaillierten Ergebnisse finden Interessierte hier.

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