Widerstand 2.0

Web 2.0

Flickr @ ocean.flynn

Der Online-Protest als Widerstandsform entwickelt sich auch so schnell wie das Internet selbst. Wenn gestern es noch nur Spaßbewegung war, dann heute es schon ernste, reale Kraft ist. Die Jugend wählt am meistens WWW-Area für Protestzwecke aus.

 

Internetgemeinde Shitstorm

Man öffnet ein Video zu einem Kitkat Schokoriegel, doch statt Schokolade werden die Finger eines Orang-Utans aus der Verpackung gewickelt. Videos mit solchem Inhalt stellt die Umweltorganisation „Greenpeace“ ins Netz, um zu zeigen, dass Nestle für seine Produkt Palmöl benutzt. Dieses wird in Indonesiens Urwald produziert und führt zur Zerstörung des letzten Lebensraums der Orang-Utans. Sofort wurde das Video weltweit bekannt und erhielt eine breite gesellschaftliche Resonanz. Nestle verbietet das Video seitdem auf YouTube und entfernt unbeliebte  Kommentare zum Thema auf der Facebook-Fanseite des Schokoriegels. Mit der Greenpeace-Aktion begann eine massive Online-Verfolgung des Unternehmens.Die Webaktivisten setzten das Greenpeace-Video auf einer Vielzahl von Plattformen ein, auf die Nestle nicht zugreifen konnte.

Die Anti-Nestle Kampagne erreicht ein immer stärkeres Ausmaß und zwingt das Unternehmen schließlich, die Verträge mit zweifelhaften Palmöl-Lieferanten zu kündigen. Bei der Nestle-Affäre spielte ein Phänomen der Internetgemeinde, der  sogenannte Shitstorm, eine tragene Rolle. Laut Wikipedia bezeichnet der Begriff ein Web-Phänomen, bei dem massenhafte öffentliche Entrüstung ausgedrückt wird, sowohl mit sachlicher Kritik als auch mit unsachlichen Beiträge. Klassischer Weise halten dafür Beiträge und Kommentare in Blogs, sowie bei Twitter und Facebook her. Die Aussagen richten sich besondsich in Form von Blogbeiträgen oder -kommentare, Twitter-Nachrichten und Facebook-Meldungen aus. Die unsanfte Art der Aussagen, die schnell aggressiv und beleidigend werden, richtet sich besonders gegen Unternehmen, Parteien oder Verbände. Auch Einzelpersonen sollen mitunter durch einen Shitstorm attackiert werden.
Ein weiteres Beispiel für einen Shitstormim Web  ist die Aktion gegen die Deutsche Bahn. Der Konzern wollte im Herbst 2010 über seine Facebookseite das „Chef-Ticket“ anbieten, mit dem man für 25 Euro deutschlandweit verreisen konnte. Auf der Plattform zeigten die Internetuser allerdings nicht Begeisterung und Freude über das günstiges Angebot, sondern beschwerten sich über die Dienstleistungen der Bahn und drückten ihre Unzufriedenheit aus. Aus einem vorteilhaftes Angebot wurde eine ernsthafte Image-Schädigung des Unternehmens.

 

Anonymous (Hacktivisten)

Mit deutlich radikaleren Handlungen schreitet die Netz-Initiative Anonymous zur Tat, die häufig auch als Hacktivisten bezeichnet werden. Verschiedene Gruppen führen unter der Verwendung des Namens Protestaktionen im Web durch, mit denen sie sich für Redefreiheit, die Unabhängigkeit des Internets und gegen global agierende Unternehmen und staatliche Behörden einsetzen.

Das Handlungsfeld der Hacktivisten war ursprünglich nur das Internet, mittlerweile sind sie mit Demonstrationen auch in der Offline-Welt aktiv.
In Rahmen der „Operation Blitzkrieg“ begann das Kollektiv Anonymous eine Aktion gegen Rechtsextremismus. Dazu veröffentlichten sie auf der Website nazi-leaks.net E-Mails und Informationen, die NPD-Spender und Sympathisanten der Partei entlarvten. Obwohl die Genauigkeit der veröffentlichten Informationen angezweifelt wurde, teilte der Parteisprecher der NPD mit, dass die Partei in „allen denkbaren Bereichen“ Strafanzeige stellen würde. Mit Hilfe von DDos-Attacken bremste Anonymous mehrere Nazi-Webseiten aus. Als Gegenmaßnahme starteten Neonazis die “Operation take nazi-leaks down” und griffen mit DDoS-Attacken die Server von nazi-leaks.net an. Die Aktivitäten von Anonymous führten zur Schließung einiger Neonazi-Websites .

Protest gegen geplante US-Internetgesetze

Die Gesetzesvorlagen SOPA (Stop Online Piracy Act) und PIPA (Protect IP Act) aus den USA bewegen derzeit die Netzgemeinschaft. Das freie Online-Lexikon Wikipedia und deren Unterstützer behaupten, dass die US-Gesetzgeber mit SOPA und PIPA eine Internetzensur einführen wollen. Aus Protest gegen die geplante Verschärfung des US-Gesetzes zum urheberrechtlichen Schutz, sperrte Wikipedia im Januar 2012 für 24 Stunden selbst den Zugriff auf die englische Version Lexikons.Die deutsche Website derWikipedia funktionierte ganz normal, doch schlossen sich mehr als 100 deutsche Websites dem Protest an. Aus Solidarität wurde unteranderem die Website der Piratenparte,i als auch die der Grünen gesperrt.

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