Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Wikis und Umfragetools

Media Wiki Screenshot
Nicht immer ist der Aufwand gerechtfertigt, komplexe Tools zur Bürgerbeteiligung einzusetzen. Zum Glück gibt es auch hier einfachere Lösungen, zum Beispiel Wikis und Umfragetools, mit denen eine sofortige Beiteilung möglich wird.
Liquid Democracy-Systeme sind sehr mächtige Programme, deren Einsatz aufgrund der Einarbeitungszeit und Betreuungsintensität nicht immer gerechtfertigt ist. An manchen Stellen ist auch das System des Delegated Votings zu komplex. Dann reichen Tools aus, mit denen der Bürger  sich direkt beteiligen kann.

Wikis
Geht es zum Beispiel darum Informationen und Vorschläge zu sammeln oder ein Konzept zu entwickeln, bieten sich Wikis an.
Die bekannteste Plattform ist Mediawiki. Das ist eine Wiki-Software, auf der unter anderem die Online-Enzyklopädie Wikipedia beruht. Mediawiki bietet die Möglichkeit verschiedene Rechte zu vergeben. So können unterschiedliche Teile der Seite nur mit Leserechten für die Öffentlichkeit freigegeben werden. Außerdem wird jede Änderung dokumentiert und kann daher immer nachvollzogen bzw. diskutiert werden.Auf diesem System wurden auch die GuttenPlag- und VroniPlag-Wikis aufgebaut, in denen die Doktorarbeiten von PolitikerInnen auf Plagiate untersucht wurden. Mit Wikis kann gemeinschaftlich und öffentlich an größeren Texten oder Informationssammlungen gearbeitet werden. Sie eignen sich besonders um Informationen zu sammeln und Experten zu rekrutieren, die man sonst nicht gefunden hätte. Stadtwikis sind eine niedrigschwellige Möglichkeit für BürgerInnen, ihr Wissen über den Wohnort oder die Region mit anderen zu teilen. Im nächsten Schritt könnte man die BürgerInnen in Stadtplanungsfragen miteinbeziehen.
In Österreich nutzte die Grüne Parlamentsfraktion im Jahr 2007 ein Wiki um ein Regierungsprogramm öffentlich zu formulieren. Die dabei entstandenen Anregungen sollten in etwaige Koalitionsverhandlungen mit einfließen. Die Portugiesische Organisation IDP nutze ein öffentliches Wiki für die Formulierung einer potentiellen portugiesischen Verfassung.
Online-Umfragen
Sollen die BürgerInnen nur befragt werden, zum Beispiel um schon im Vorfeld einer größeren Partizipationskampagne ein Meinungsbild einzuholen, reichen häufig auch einfache Umfragetools wie LimeSurvey aus. Hier können Onlinebefragungen nach einem vorgegebenen Schema erstellt und ausgewertet werden. Zur Verfügung stehen unterschiedliche Fragetypen. Es lassen sich auch freie Antwortfelder für Vorschläge bereitstellen. LimeSurvey ist freie Software, die von vielen Hochschulen und Unternehmen genutzt wird. Sie bietet auch die Möglichkeit Umfragen anonym und mit einem Schlüssel versehen durchzuführen. Das bedeutet, dass die TeilnehmerInnen zwar eindeutig identifiziert werden können, um Missbrauch vorzubeugen, aber sie werden nicht mit ihrem Abstimmungsverhalten in Verbindung gebracht.
Die Grünen in Nordrhein-Westfalen benutzen eine solche Umfrage aktuell, um die BürgerInnen zur ihrer Einstellung bezüglich der Ladenöffnungszeiten zu befragen.

 

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